Gründerin von Phileo e.V., Vladana Szabo, spricht über Vereinsamung

 München, 09.03.2021 Gründer Interview Vladana Szabo von C. Bauer

"Vereinsamung betrifft viele Menschen und hat nichts mit Alter, sozialem Umfeld oder Beruf zu tun."








     Vladana Szabo, Gründerin Phileo e.V.

Vladana Szabo gründete im Februar 2020 den gemeinnützigen Verein Phileo e.V. 
Als alleinerziehende Mutter von Zwillingen kennt sie den alltäglichen Kampf mit großen und kleinen Problemen. In dieser Zeit war sie oft mit Missständen konfrontiert und dabei völlig auf sich alleine gestellt. Trotz der großen Herausforderung arbeite sie auch immer an Ihrer Karriere als Salesmanagerin. 

In Ihrer Arbeit hatte sie viel mit Menschen zu tun und machte dabei eine traurige Entdeckung.

CB: Vladana, im Februar 2020 hast Du den Verein Phileo gegründet. Was genau macht Phileo?

Vladana Szabo: Phileo nimmt sich der Vereinsamung von Mensen an. Wir möchten erreichen, dass sie sich gebraucht und wertgeschätzt fühlen. In der griechischen Literatur steht das Wort Phileo für die freundschaftliche Liebe. Wir wollen eine Generationen Community schaffen bei der die Freundschaft im Vordergrund steht. Daher kommt der Name Phileo.

Wie bist Du auf die Idee gekommen einen solchen Verein zu gründen?

Durch meinen Beruf habe ich sehr viel mit Menschen zu tun. In den letzten Jahren machte ich die Entdeckung, dass mir immer wieder das Thema Vereinsamung unterkommt. Ein besonders einschneidendes Erlebnis war ein Gespräch mit einer älteren aber noch sehr agilen Dame. Sie erzählte mir, dass sie nur noch auf ihrer Couch liege und auf den Tod warte. Diese Aussage erschütterte mich zutiefst und arbeitete in mir sehr lange. Das war nicht das einzige Erlebnis dieser Art. 
Die Idee entstand dann tatsächlich im Dezember 2019. Eine innere Stimme sagte mir: "Du sollst einen Verein für einsame Menschen gründen." Das war sehr deutlich und ich beschloss das zu tun.

Wie genau möchte Phileo solchen Menschen helfen?

Im ersten Step möchten wir Menschen mit gleichen Interessen und Vorlieben zusammenbringen, also matchen. Nicht als eine Art Partnervermittlung. Es geht um Freundschaft. z.B. geht Heinz aus Perlach gerne in die Berge. Wir wissen von einem Peter aus Giesing, dass er das selbe gerne tut. Beide möchten aber nicht alleine losziehen. Phileo bringt die beiden zusammen. Vielleicht entsteht daraus auch eine Gruppenfahrt. Phileo organisiert einen Ausflug mit gemütlicher Einkehr. Das ist nur ein Beispiel von vielen.  
Der zweite Schritt ist die Gründung einer Mehrgenerationen Community. Wir möchten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen begegnen, austauschen und voneinander lernen können. Mir liegt auch sehr am Herzen, dass der Wissensschatz unserer Senioren nicht verloren geht. Jüngere Generationen können eine Menge von ihnen lernen. Ebenso auch umgekehrt z.B. im Umgang mit der digitalen Welt, hier können die Jungen ihr Wissen weitergeben. Ganz nach dem Motto "Jung lernt von Erfahren und Reif von Innovativ. (lacht)

Gibt es bestimmte Projekte?

Ja, die gibt es. Momentan arbeiten wir an der Realisierung der Community. Sie soll im besten Fall aus einem Büro für die Organisation, einer Küche und einer Werkstatt bestehen.
In der Küche sollen vor dem Verderben gerettete Lebensmittel verarbeitet werden. Wir haben da schon Kooperationen mit sogenannten Foodsavern. Hier können gerade die erfahrenen Omas ihre altbewährten Rezepte auspacken und zeigen wie es auch ohne Fix-Produkte geht, etwas köstliches zu zaubern. Danach wird zusammen gegessen, geschlemmt und geratscht.
Für die Werkstatt soll Upcycling das große Thema sein. Aus alten Schätzen, die man auf dem Flohmarkt oder dem Sperrmüll findet lassen sich tolle Gegenstände bauen. Kleinmöbel werden z.B. repariert und erstrahlen in neuem Design. Hier sind kreative Köpfe gefragt und gewünscht. 

Wie kann man Phileo unterstützen?

Momentan sind wir auf Spenden angewiesen. Vielleicht entsteht aus dem Erbrachten der Küche oder der Werkstatt mal ein kleines Business, mit dem wir es schaffen einen Eigenanteil zu stemmen. Das ist ein weiterer Wunsch für die Zukunft. Ganz besonders freuen wir uns über Menschen, die sich angesprochen fühlen und ehrenamtlich mitmachen wollen. Es gibt eine Menge Menschen mit bemerkenswerten Gaben, die bestimmt einen angemessenen Platz bei Phileo finden. 

Was wünscht Du Dir für die Zukunft von Phileo?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass unsere Generationen Community ein Vorbild für Nächstenliebe wird und viele weitere Generationen Communitys entstehen. So dass Vereinsamung und Isolation kein großes Thema mehr ist.


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